Description
Es ist eine der schlimmsten Seiten un serer gegenwartigen Entwickelungsperlode in der Medi dn, dass die historische Kenntniss der Dinge mit jeder Generation VOD Studirenden abnimmt. Sogal’ von den selbstthatigen jiingeren Arbeitern Imnn man in der Regel annehmen. dass ihr Wissen im hochsten Falle nur bis auf 3-5 Jahre riickwiirts leicht. Was vor [) Jahren publicirt ist, existirt nicht mehr. Virchow 1&7U. Je weiter von Jahr zu Jahr die Grenzsteine der medicinischen Naturwissenschaften aus einander geriickt werden, urn so berechtigter wird die Frage: ist es dem praktischen Arzte moglich den Fort schritten der Wissenschaft zu folgen? Hat der junge Doctor von der Universitat Abschied genommen und ist mit dem felsenfesten Vorsatze der Wissenschaft ewig treu zu bleiben in die beginnenden Hungerjahre der Praxis eingetreten, so wahrt es nicht lange und er steht fast unbemerkt vor einem Scheidewege, wo unwiderruflich ein Entschluss gefasst werden muss. Hier giebt der Charakter, nicht das Talent den Ausschlag, welcher Weg eingeschlagen wirdj die Wahl ist furchtbar ernst, denn sie entscheidet meistens fiir das ganze Leben. Entweder sagt er der Wissenschaft Lebewohl und steuert direct ins Lager der medicinischen Handwerker, wobei unterwegs nicht selten in dunkler Stunde ein krummer Schleicbweg benutzt und eine siisse Frucht vom Baume der Reclame gepfiuckt wird, oder er arbeitet fort, urn sich den Namen eines wissenschaftlichen Praktikers zu verdienen. Allein vor der Hand konnte man nach dem anstrengenden Examens jahre sich doch wenigstens eine Zeit lang Ruhe gonnenj die Uni versitatskenntnisse .werden ja fiir die ersten Jahre wohl ausreichen. Inhaltsverzeichniss.- I. Doctor und Barbier.- Sociale Verhltnisse in der ersten Hlfte des Jahrhunderts. – Vorurtheile. – Kleidung des Arztes; Hausrzte. – Wie wird man bald ein grosser und berhmter Arzt? – Bildung der Aerzte. – Zwistigkeiten bei Consultationen, Titel. – Trinken, Einkommen der Aerzte. – Bart und Barbier. – Aussatz und Bader. – Ausbildung des Wundarztes. – Seine sociale Stellung. – Consultation zwischen Arzt und Wundarzt. – Landwundrzte. – Eintheilung in verschiedene Classen. – Chirurgische Taxe. – Trennung der Chirurgie von der Medicin. – Aufhebung der Barbierzunft.- II. Der Marktschreier.- Familienquacksalberei, alte Weiber, Hirten u. A. – Der Charlatan auf dem Jahrmarkt. – Geheimmittel. – Bruchschneider. Castrate. – Staarstecher; Hilmer, Ritter Taylor. – Steinschneider; Frre Jacques, Rau. – Scharfrichter, Tortur, Guillotine. – Marktschreier im Ausland. – Mittel gegen Qua cksalberei. – Unsere Zeit.- III. Auf der Universitt.- Gymnasialunterricht. – Der deutsche Student. – Rohes Burschenleben, Gttinger Hainbund; der Student im Kriege. – Zahl der Medicin Studirenden. – Vorlesungen; lateinische Sprache, Dictiren. – Sammlungen, Bibliotheken. – Professoren; ihr Rang und Einkommen. – Unfug der Doctorpromotionen, Dissertationsfabriken, unsere Zeit. – Staatsprfungen. – Ceremonien, Religionsbekenntniss bei der Promotion. – Weibliche Doctoren. – Studium der Anatomie, Vorurtheile im Volke. – Anatomische Theater, Mangel an Leichen. – Pathologische und chirurgische Anatomie.- IV. Notizen ber Hospitler.- Die Charit in Berlin. – Das allgemeine Krankenhaus in Wien – Kleine deutsche Hospitler. – Hospitler in England, St. Bartholomushospital in London u. A. – Hospitler in Frankreich, Htel Dieu und Charit in Paris u A. – Hospitler in Schweden. Dnemark und Russland. – Dit. – Mortalitt, geringe Anzahl von Operationen. – Ventilation, J. Pringle. – Vorschlge zu Verbesserungen der Hospitler. – Versuche ber Fulniss. – Entbindungsanstalteu.- V. Chirurgischer Unterricht und Literatur.- Chirurgische Lehranstalten in Deutschland und Russland. – Praktischer Unterricht auf Universitten. Poliklinik, Klinik. – Chirurgischer Unterricht in Paris: Desault, Ecole de sant, Pensionen, Visite bei Pelletan, franzsische Studenten, Boyer. – Chirurgischer Unterricht in London: John Hunter, Edinburgh – Schriftstellerei deutscher Chirurgen, Servilismus, Latein oder Deutsch. – Sprachverstmmelung der Franzosen. -Uebersetzungswuth, Hochachtung vor dem Auslande. Chirurgische Zeitschriften, Recensionen. – Lehrbcher, Bcherpreise.- VI. Lorenz Heister und Zeitgenossen.- Heister. – Z. Platner. – Gnz. – Ludwig. – Mauchard – Kaltschmidt. – Bass. – Haller. – Schulze. – Eschenbach. – Vater. – Detlef – Holtzendorff. – Eller. – Sear. – S. und A. Schaarschmidt. – Muzell. – S. Pallas. – Z. Vogel. – J. E. und O. J. Wreden. – Schwarz. – Walther.- VII. Der Aufschwung der deutschen Chirurgie unter August.- Friedrich II. – Deutsche Dichter und Musiker. – Kant. – Sociale Verhltnisse in der zweiten Hlfte des Jahrhunderts. – Die Chirurgie und klinischen Anstalten in Gttingen. – Das Leben August Gottlieb Richter’s. – Richter als Chirurg, – als Schriftsteller, – als Lehrer, – als Arzt.- VIII. Professoren der Chirurgie und praktische Wundrzte.- van Swieten’s Reformen. – Joseph II. und Maria Theresia. – Die medicinischchirurgische Josephsakademie in Wien. – Magister und Doctoren der Chirurgie. – Institut fr chir. Operateure. – Oestreichische Chirurgen: Brambilla, Leber, Plenk, Hunczovsky, Steidele, Mohrenheim, Wrabetz u. A. – C. C. von Siebold. – J. B. von Siebold, Brnninghausen, Hesselbach. – Henckel; A. F. Pallas, Zenker. – Loder, Khler. -Arnemann, Wardenburg, Michaelis. – Rougemont, Isenflamm, Weidmann, Metzger, Sommer, Lber, Sprengel, E. Platner. – Die Praktiker Thileuius, Brckner, Ehrlich, Eckoldt, A. F. Vogel, Schneider, Jger, Fielitz, Bttcher, Bernstein u. A. – Die Augenrzte Barth, Schmidt, Beer, Lobstein, Hellmann u A..- IX. Die Acadmie royale de chirurgie in Paris.- Chirurgen zur Zeit Ludwig des XIV. – Streitigkeiten zwischen der medicinischen Facultt und den Wundrzten. – Grndung der Acadmie de chirurgie. – Memoiren, Preisaufgaben, Mitglieder derselben. – Ihr Einfluss; Bildung der franzsischen Chirurgen. – Reformen der franzsischen Revolution. – J. L. Petit, le Dran, Morand, Garengeot, Quesnay. Arnaud de Ronsil, de la Faye, le Cat, le Vacher, Verdier. – Louis, A. Petit, Sue, Hevin, le Blanc, Pouteau, David, Goulard, Frre Cme, Levret. – Desault. – Sabatier, Chopart, Lassus, Deschamps, Pelletan. – Franzsische Medicin: Bichat, Pinel, Corvisart.- X. Englische Chirurgie.- Bacon von Verulam. – Maximen englischer Chirurgie. – Die Englnder Cheselden, Sharp, Bromfield, White, Gooch, Alanson, Warner, Willmer, Hill. – Percival Pott. – Vier schottische Familien: Alexander Monro mit seinen Shnen Donald und Alexander. – Benjamin, John und Charles Bell. – Allan und John Burns. – William und John Hunter. -Anhang. Chirurgen im brigen Auslande.- XI. Kriegschirurgie unter Friedrich dem Grossen.- Die Anfnge der deutschen Militairchirurge. – Friedrich des Grossen Interesse. – Im siebenjhrigen Kriege. – Bewegliche und stehende Feldlazarethe. – Transport, Dit, Arzneien. – Das Belagerungslazareth in Schweidnitz. – Frische Luft, Neutralitt, Sterblichkeit. – Die chirurgische Pepinire in Berlin. – Der preussische Feldscherer. – Bilguer. – Schmucker. – Theden. – Voitus, Mursinna, Grcke. – Jasser, Ollenroth und andere Regimentschirurgen. – Das Militairsanittswesen unter Joseph II. – Aus kleineren Staaten.- XII. Franzsische und englische Kriegschirurgie.- Die Anfnge der franzsischen Kriegschirurgie. – Die ersten fliegenden und stehenden Lazarethe. – Verbesserungen unter Ludwig XIV. und XV. – Organisation der Kriegslazarethe und Militairrzte unter Ludwig XVI. und der Republik. – Transportwesen. – Ravaton, Colombier. – Trecourt, Lombard, Percy, Moreau, Boy. – Englische Einrichtungen. – Die Peitsche. – J. Hunter, Jackson. – J. Pringle: frische Luft, Zerstreuung der Kranken. – Brocklesby: Baracken. – Graf Stair: Vertrag zum Schutz der Verwundeten. – Franzsische und deutsche Stimmen ber Baracken und Schutzvertrge.- XIII. Deutsche Medicin.- Leibnitz. – Universitt Halle: Thomasius, Wolff. Franke. – Medicinische Systeme von Hoffmann und Stahl. – Boerhaave. – Haller. – Gaub. – Wiener Schule: van Swieten, de Han, Strck, Stoll. – Nervenpathologie, Unzer. – Die Humoralpathologen Ch. L. Hofmann und Kmpf. – Classification der Krankheiten. – Studium der Alten. – System von J. Brown. – Verwerthung der Chemie und Physik. – Specielle Pathologie. – Arzneimittel. – Aerztliche Praktiker.- XIV. Entziindung und Wunden.- Deutsche Theorien ber Entzndung. – J. Hunter’s Lehren ber die feineren Vorgnge bei der Entzndung und Wundheilung. – Behandlung. – Lendenabscesse. – Missbruche des Sondirens und Ausstopfens der Wunden. – Charpie, Breiumschlag, kaltes Wasser, Bleiprparate u. s. w. – Blutige Naht. – Frische Luft, Bader beim Fieber. – Kalte Uebergiessungen beim Typhus. – Blutstillung: Thrombus. – Ligatur der Arterien. – Compression, Agaricus. – Vorlufer der subcutanen Chirurgie.- XV. Krankheiten der Knochen, Gelenke und Muskeln.- Fracturen. – Caries, Mlum Pottii. – Necrose. – Osteomyelitis, Knochenabscess, Exostose. – Luxationen. – Coxitis. Tumor albus. – Hydrarthrus. – Gelenkmuse. – Gelenkneuralgie. – Muskelverrenkung. – Zerreissung der Achillessehne. – Caput obstipum. – Orthopdie. – Venel. – Klumpfuss.- XVI. Krankheiten der Gefsse, Nerven und Haut. Neubildungen.- Aneurysmen. – Phlebitis, Venenwunden. – Lymphangitis. – Ansthesie. – Tetanus, Compression der Carotiden, Gesichtsschmerz. – Geschwre. – Furunkel, Carbunkel, Rose. – Verbrennungen, Erfrierungen, Panari- tium. – Warzen, Hhnerauge. – Neubildungen: Scirrhus und Krebs. – Brust-, Lippen- und Schornsteinfegerkrebs. – Balggeschwlste, Ueberbeine, Teleangiectasie.- XVII. Krankheiten des Kopfes und Gesichts.- Schdelfracturen, Trepanation. – Gesichtswunden, knstliche Nase. – Nasenpolyp. – Hasenscharte. – Gaumenspalten. – Zahnkrankheiten. – Erffnung des Antr. Highmori und der Stirnhhle. – Krankheiten der Zunge – (Ranula) – der Mandeln – der Parotis. – Operationen am Ohr.- XVIII. Krankheiten des Halses, der Brust und des Unterleibes.- Tracheotomie. – Halswunden. – Fremdkrper in der Speiserhre; Oesophagotomie, Gastrotomie. – Kropf. – Brustwunden. – Paracentese der Brusthhle; mechanische Behandlung der Lungenschwindsucht. – Erffnung des Herzbeutels. – Paracentese des Unterleibes. – Bauch- wunden. – Leberabscess. – Erffnung der Gallenblase. – Milzexstirpation. – Hernien.- XIX. Krankheiten der Harn- und Geschlechtsorgane und des Mastdarms.- Steinschnitt. – Catheterismus. – Ischurie (Stricturen, Geschwulst der Prostata); Blasenstich. – Hmaturie. – Nierensteinscbnitt, Exstirpation der Niere. – Hydrocele. – Hmatocele. – Sarcocele; Castration. – Varicocele, Leistenhoden. – Phimose. – Amputation des Penis. – Synchondrotomie. – Blasenscheidenfistel. – Atresie der Vagina. – Hydrops ovarii. – Fistula ani. – Hmorrhoiden. Atresie und Stricturen des Mastdarms.- XX. Schusswunden, Amputation, Exarticulation, Resection.- Allgemeines ber Schusswunden. – Schussfracturen. – Conservative Chirurgie. – Gelenkschsse. – Verletzungen durch Kanonenkugeln. – Primre oder secundre Amputation. – Amputationsmethoden. – Exarticulationen. – Resectionen.




